30 Grad im Schatten, nicht eine Wolke am Himmel, und das Anfang Mai in Deutschland ! Klar, dass bei solchen sich anbahnenden m�rderischen Sommerbedingungen Urlaub in Griechenland nicht unbedingt zu empfehlen war, zumal auf dem Fahrrad. Insofern war die Entscheidung, stattdessen gen Norden zu biken durchaus plausibel gewesen, doch in welchem Licht erschien sie uns jetzt ?
Die Strasse stieg seit nunmehr 3 Stunden 10%ig an und ein Ende war noch nicht in Sicht, der Nebel wurde immer dichter und die Tatsache, dass sich das Thermometer weigerte, sich in den zweistelligen Bereich zu bequemen wurde nur noch von dem penetranten Regen �bertroffen, der seit nunmehr anderthalb Stunden auf uns niederprasselte. – doch das ist jetzt vorbei und bereut haben wir es sicherlich nicht, dieses Jahr statt Hitze & Kultur Regen & Natur gew�hlt zu haben.

18:30 Uhr, Malm� Central. Es war wie schon die letzten Male, das Gef�hl der grenzenlosen Freiheit und der vollkommenen Selbstbestimmung, das einen bef�llt bei dem Gedanken an das Leben in der Zivilisation hinter und das Leben in der Natur vor sich. So schoben wir die R�der gen Ausgang der Bahnhofshalle, standen am Hafen von Malm�, ein kurzer Blick auf den Kompass, gen Norden sollte es gehen, die richtige Ausfallstra�e war gefunden und die R�der verlie�en endg�ltig den Boden der b�rgerlichen Existenz um ihn erst in 3 Wochen wieder zu betreten. Wir fuhren am Meer entlang, und sammelten die ersten Eindr�cke Schwedens. Dazu geh�rte leider auch ein sehr starker Wind, der uns entgegenblies und uns nur langsam vorw�rts kommen lies. In einem kleinen Ort fanden wir einen Supermarkt, der sogar noch ge�ffnet hatte und so lernten wir auch gleich die preisliche Situation Skandinaviens kennen. Dass man sich hier als Deutscher keine allzu gro�en Spr�nge leisten kann war uns klar gewesen, aber als wir den Laden mit Nudeln, Tomaten und Thunfisch f�r einen Abend wieder verlie�en und daf�r 60 Schwedische Kronen, sprich 15 DM �rmer waren, hatten wir die ersten Bedenken. Nach unserer letzten Tour durch Tschechien waren wir noch etwas verw�hnt von einem vergleichbaren luxuri�sen Leben, aber mit dem Plan, hier auf Hotels, Restaurants und �hnliches zu verzichten, dachten wir, hierf�r ger�stet zu sein. Ja wir hatten sogar damit gerechnet, durch Selbstversorgung und wildes campen hier billiger als in Tschechien wegzukommen, doch diese Preise selbst f�r Grundnahrungsmittel waren uns dann doch ne Nummer zu hoch und wir sahen unserem Speiseplan f�r die kommenden Wochen bereits mit Bangen entgegen.
Doch (noch) waren wir gl�cklich, hier zu sein und so fuhren wir noch in die Abendsonne hinein, bis wir nach 20 km an einem Spielplatz am Meer eine Schlafgelegenheit fanden.
Als nach diversen Problemen mit der ersten Benutzung des neuen Kochers die Sonne im Meer versank, wurde es au�erdem zu dem Wind noch schnell sehr k�hl und so packten wir, noch von der Sonne verw�hnt, ungl�ubig w�rmere Klamotten aus, w�hrend wir uns �ber die im T-Shirt spielenden Schweden wunderten. Ein Zelt erschien uns als nicht notwendig (womit wir ausnahmsweise mal Gl�ck hatten), und so schliefen wir unter einem absolut klaren Sternenhimmel ein.

Tags darauf sa�en wir ausgeruht wie wir am ersten Tag noch waren schon um 7.30 Uhr wieder auf den R�dern. Wir hatten eine weite Strecke vor uns, und daher begannen wir in memoriam Heinz Helfgen, dem gro�en Weltumradler, der uns mit seinen 400-Kilometer-Etappen imponiert hatte. Doch der stark von vorne und von der Seite blasende Wind machte uns das Fahren nicht gerade einfach. Als es dann 20 km ins Landesinnere ging, dachten wir, ihn los zu sein, aber falsch gedacht. Bedingt durch die starke landwirtschaftliche Nutzung und den geringen Waldbestand in dieser Region blies uns auch hier eine steife Brise entgegen. Als wir nach 80 Kilometern durch einen bewaldeten Naturpark fuhren, wurde es ruhiger und wir genossen die weiten und duftenden W�lder, die nur manchmal von einer kleinen Lichtung unterbrochen wurden. Doch wieder auf freiem Gel�nde, war der Wind auch schon wieder da. Dann wurden die Landschaft h�geliger und in Verbindung mit dem Wind wurde das Fahren immer anstrengender. Da es auch noch sehr k�hl war, begannen wir bereits jetzt, am 2. Tag, Pl�ne zu schmieden, wie wir diesem Norden entkommen k�nnten. W�hrend sich die Idee, auf die Kanaren zu fliegen als mit dem Fahrrad unrealisierbar herausstellte, fing der Gedanke, von G�teborg mit der F�hre nach Amsterdam zu fahren um von dort „nach Nizza zu brettern“ an, uns zu gefallen. Nat�rlich war es idiotisch, schon nach 2 Tagen aufgeben zu wollen, und eigentlich war es auch nicht unsere Art, bei dem kleinsten Problem, gleich aufzugeben, doch in dieser Situation hatte uns f�r eine kurze Zeit der Mut verlassen. Doch ganz egal wo uns das Schicksal hinbringen sollte, wir mussten auf jeden Fall nach G�teborg. Das wiederum spornte uns an, weiterzufahren und so standen an diesem Tag 141 km auf dem Tacho, als wir von den Bikes stiegen. Wir �bernachteten bei Melbystrand, einem kleinen Ort an der K�ste. Der Strand ist hier kilometerweit mit Bungalows, Hotels, Campingpl�tzen und Bars zugebaut, allerdings waren wir weit und breit die einzigen „G�ste“, und so wurde unsere �berlegung, dass Urlaub im Norden wohl ziemlich bekloppt ist f�rs Erste mal best�tigt.

Am n�chsten Morgen war das Wetter wie ausgewechselt. Nicht dagegen unsere Beine; nach der gestrigen langen Etappe gleich zu Beginn f�hlten sich unsere Beine wie Blei an. Doch die Sonne schien und es war so gleich etwas w�rmer. Frohen Mutes schwangen wir uns nach einem M�sli auf die R�der und fuhren auf dem Cykelsparet West, einem an der Westk�ste Schwedens entlanglaufenden, gut ausgebauten Fahrradweg weiter. Nach 60 Kilometer kamen wir in das Naturschutzgebiet Haverdalsstrand. Der Cykelsparet f�hrte uns an der K�ste entlang und so gelangten wir an einen 5 Kilometer langen Sandstrand mit einer D�nenformation, wie man sie in Skandinavien selten sieht.
Obwohl die Sonne schon sehr tief stand, zogen wir uns schnell um und sprangen in das k�hle Nass ! Wir wussten ja nicht, wie oft wir noch die Gelegenheit bekommen w�rden ! Und trotz der recht frischen Au�entemperatur von 16� war das Wasser nicht unertr�glich kalt. Wir radelten noch bis es dunkel wurde und �bernachteten schlie�lich nach 83 geradelten Kilometern im Windschatten einer Scheune nahe Falkenberg.

Tags darauf standen wir fr�h auf, denn es waren noch 130 km bis G�teborg, wo das Schicksal unseren weiteren Weg entscheiden sollte. Gegen Mittag setzte zum ersten mal Regen ein, was unsere Stimmung nicht gerade erhellte, da half auch das aufmunternde Hupen der vorbeifahrenden Autofahrer nicht viel. Wir kurbelten die Kilometer weg und kamen gegen 20 Uhr ersch�pft, aber gl�cklich in G�teborg an. Das erste, was wir von G�teborg sahen, war der Volkspark Liseberg, Skandinaviens gr��ter Vergn�gungspark, und der Gedanke, sich hier zu „vergn�gen“ und koste es was es wolle eine Jugendherberge zu nehmen machte unserer Willenskraft schwer zu schaffen. Doch wir radelten erst einmal in die Stadt, um uns einen �berblick zu verschaffen. W�hrend wir so durch die Stadt radelten, fiel uns auf, dass auf jedem freien Platz Live-Musik gespielt wurde, ganz G�teborg auf den Beinen ist und die ganze Stadt eine einzige Party zu sein schien. Doch im Moment war unser Ziel der Hafen, um eine F�hrverbindung nach Amsterdam zu bekommen, da wir ja immer noch die M�glichkeit sahen, doch noch in den warmen S�den zu entfliehen. Die (damals) entt�uschende Antwort der Dame am Informationsschalter der F�hrgesellschaft lautete jedoch „Tut mir leid, diese Linie wurde eingestellt.“. Im Nachhinein mag es l�cherlich klingen, aber in diesem Moment war uns wirklich nicht zum Lachen ! Wir wollten die Hoffnung nicht aufgeben und dachten, evtl. einen Flug last-minute irgendwohin zu bekommen. Also folgten wir den Flughafen-Schildern einige Kilometer, bis wir vor einer Autobahnauffahrt standen. Nach einem kurzen Blick mit der Taschenlampe (es war inzwischen dunkel geworden) auf Johannes’ Mini-Stra�enatlas wurde uns auch klar wieso; der Flughafen ist 35 km au�erhalb der Stadt. Langsam aber sicher gesellte sich zu unserer Ern�chterung ein gewisser Sarkasmus �ber unsere Situation. Es war mittlerweile 22 Uhr und wir standen mit den R�dern auf dem G�taplatz, dem kulturellen Zentrum der Stadt.
Wir f�llten eine Grundsatzentscheidung. Wir w�rden versuchen, mit dem Zug weiter bis Oslo zu fahren, da hier das Wetter sehr verregnet aussah und von dort w�rden wir unsere Tour weiter fortsetzen. Der Frau am Informationsschalter der Bahn schienen meine Ausf�hrungen auch durchaus einzuleuchten, jedoch hatte sie 2 kleine Stolpersteine f�r uns parat: Zum einen fuhr an jenem Abend kein Zug mehr Richtung Oslo und zum anderen ist Fahrradmitnahme in den Z�gen in ganz Schweden verboten (was uns durchaus bekannt war, aber wir wollten es eben versuchen). Wir hingen also zumindest mal f�r diese Nacht in G�teborg fest. Da uns 35 DM pro Person f�r eine Jugendherberge f�r nur 7 Stunden Schlaf zu teuer erschienen, w�hlten wir die unbequeme Variante, wechselten nochmals Geld und gingen, nachdem wir uns einigerma�en stadtfein angezogen hatten, durch die Stadt. Wir waren uns trotz unserer Situation einig, dass G�teborg eine wirklich sch�ne Stadt mit dem Flair einer „kleinen Gro�stadt“ ! Unz�hlige Strassencaf�s und Pubs in der sehr modernen, aber st�dtebaulich gut angelegten und architektonisch sehr interessanten Innenstadt lassen einen die gro�en Industriegebiete am Hafen vergessen. Gerne w�ren wir hier ein paar Tage hier geblieben um einige der Museen und die Stadt zu besichtigen, aber mit dem Fahrrad ist eine Gro�stadt wie gesagt nicht so erbaulich, daher bleibt es bei dem Versprechen, wiederzukommen. So erleben wir noch etwas „G�teborg bei Nacht“ w�hrend wir unsere Bikes durch die kleinen G�sschen der Altstadt „Gamla stan“, eine der bestbewahrtesten mittelalterlichen Altst�dte Nordeuropas, schieben. Als letztes landeten wir dann in einem McDonalds-Restaurant, dass bis 4 Uhr ge�ffnet hatte und eine sehr triste Atmosph�re ausstrahlte. Wir m�ssen ziemlich ratlos ausgesehen haben, auf jeden Fall sprachen uns hier 2 junge Schweden an und boten uns an, bei Ihrer Villa �bernachten zu d�rfen; als sich jedoch herausstellte, dass sie 10 km von G�teborg wohnen und wir um 5.30 in der Fr�he am Bahnhof sein m�ssen, lehnen wir ihr Angebot dankend ab und finden wir uns mit unserem Schicksal ab. Die letzte Stunde bis zur Bahnhofs�ffnung verbrachten wir halb schlafend halb wach in einer Einkaufshalle, in der auch einige Interrailer n�chtigten. Um 5.30 Uhr machte der Bahnhof auf und es fuhr auch um kurz vor 6 ein Zug nach Oslo. Als der Schaffner kam, fragte ich Ihn, ob es evtl. m�glich w�re, die Fahrr�der mitzunehmen, was er jedoch strikt verneinte. Die einzige Alternative, die jetzt noch bestand, war, mit dem Regionalzug soweit an die Grenze nach Norwegen zu fahren, wie es eben ging. Eine halbe Stunde sp�ter kam auch ein Zug, der in die richtige Richtung fuhr, also versuchte ich wieder mein Gl�ck, und siehe da, der Schaffner, dessen Fahne mir fast die Sprache verschlug, meinte, das sei bei ihm kein Problem, sie w�rden auch nicht mal extra kosten. Als wir dann die Fahrr�der erfolgreich in den Waggon gewuchtet hatten, sa�en wir endlich im Wagen und schliefen erst mal, bis wir um 10 Uhr in der Hafenstadt Str�mstad ankamen.

Die Stadt war noch im Tiefschlaf, doch zum Gl�ck gab es ein Bahnhofscafe, dessen Fr�hst�cksb�fett uns etwas von unseren Strapazen der vergangenen Nacht vergessen lie�. Es war relativ warm, und so schwangen wir uns wiederhergestellt auf die Bikes und fuhren auf der leider relativ stark befahrenen E 6 �ber die norwegische Grenze bis nach Halden. Wir hatten den Plan, bis nach Oslo zu radeln schnell verworfen, da die Gegend bis dort landschaftlich nicht sehr reizvoll ist und somit f�r Biker relativ uninteressant und m�hsam zu fahren ist. Also wollten wir den Zug nach Oslo nehmen. Wir kauften uns also unsere Tickets und fuhren nach Oslo. Die Landschaft, die am Fenster vorbeirauschte ver�nderte sich und die offenen, weiten und kaum besiedelten Gegenden Schwedens wurden von den stark bewaldeten Landstrichen Norwegens abgel�st. Wir hatten mittlerweile unsere Planung ge�ndert und beschlossen, mit dem Zug noch ein St�ck aus Oslo und dem stark besiedelten Umland heraus weiterzufahren und uns die Stadt auf der R�ckreise n�her anzusehen. Also stiegen wir in Oslo in einen leider ziemlich �berf�llten Regionalzug (es war gerade Feierabendzeit) und fuhren �ber Hokksund, wo wir noch einmal umsteigen mussten, nach Honefoss. Die Schaffner waren sehr freundlich, auch wenn sie keine leichte Arbeit in dem �bervollen Zug hatten, wir standen an den Ausg�ngen und an jedem Halt hofften, auf der richtigen Seite zu stehen, anderenfalls hatten wir das Schimpfen der Aus- und Einsteigenden zu ertragen. Gegen 19 Uhr kamen wir dann in Honefoss an, und unsere Hoffnung mit dem Ticket, das den ganzen Tag g�ltig war, noch ein St�ck weiter nach Jevnacker an der S�dspitze des Randsfjorden zu fahren wurde schon beim Anblick des minikleinen Bahnhofs zunichte gemacht. Und tats�chlich, der n�chste Zug dorthin fuhr erst in 3 Tagen. Also schwangen wir uns auf die R�der und fuhren los. Nachdem ich uns zuerst aufgrund der unklaren Beschilderung in die falsche Richtung gelotst hatte, fanden wir dank der Hilfe eines Sportbikers schnell die richtige Stra�e gen Norden und fuhren in den k�hlen Abend hinein. Nachdem wir 20 km gefahren waren, und noch immer keine Stadt, Wasserstelle oder sonstige �bernachtungsm�glichkeit in Sicht kam, beschlossen wir einfach ein St�ckchen in den Wald zu fahren und dort zu �bernachten. Wir hatten zwar kein Wasser mehr, aber das war uns im Moment egal. Lediglich die M�cken, denen die K�lte nicht gerade viel auszumachen schien nervten uns noch eine Weile.

Am n�chsten Morgen hatten wir es sehr eilig, diesen relativ unwirtlichen Platz zu verlassen und so fuhren wir bis nach Jevnacker, wo wir zuerst einmal ausgiebig fr�hst�ckten. Die Sonne schien und es war auffallend warm. So kam es, dass wir, als wir nach 2 Stunden Fahrt am Randsfjorden entlang eine kleine Bucht entdeckten uns darauf einigten, dass wir hier ruhig ein paar Stunden „chillen“ k�nnten. So legten wir uns in die Sonne und auch das Wasser war zum Baden durchaus ertr�glich warm. Die Sonne stand schon sehr tief, als wir uns schweren Herzens wieder auf die Pedale machten, aber wir wollten ja noch weit... Auf der direkt am Wasser vollkommen eben verlaufenden, sehr wenig befahrenen Stra�e fuhren wir so in den Abend hinein. Da wir seit Stunden praktisch kein Auto mehr gesehen hatten, wunderte es uns doch schon ein wenig, als pl�tzlich 2 Polizeiwagen an uns vorbeirasten. Als dann noch ein Streifenwagen an uns vorbeischoss und sich hinter einer Einfahrt zu einem der wenigen Geh�fte an der Stra�e positionierte, waren unserer Fantasie keine Grenzen mehr gesetzt. Man mu� dazu sagen, dass das Thema „Polizei“ f�r zwei Radreisende, von denen einer den Berufswunsch „Polizist“ hegt(e) und der andere schon das ein oder andere mal Probleme mit den Jungs in Gr�n hatte, durchaus als ergiebiges Diskussionsthema diente. Speziell in diesem Fall erschien uns von Atom-U-Boot der Russen in Randsfjord bis zu einem Geheimdienstmeeting (Skandinavien ist ja bekannt als Mekka der Schlapph�te) nichts als unm�glich. Nach einer halben Stunde kam uns noch ein Polizeifahrzeug entgegen und hielt bei uns an. Der Polizist fragte uns, ob wir ein kleines graues Fahrzeug gesehen h�tten, worauf Johannes leider keine Auskunft geben konnte, da wir in der letzten Stunde kein ziviles Fahrzeug gesehen hatten. Nach einer weiteren halben Stunde sahen wir dann einem kleinen grauen Fiat auf uns zukommen, und auch dieser hielt bei uns an und fragte uns, ob wir ein Polizeiauto gesehen h�tten. Hmmm, als Gast Norwegens hielten wir es f�r unsere Pflicht, ihn in dem Glauben zu lassen, dass „der Weg frei war“. Was uns irritiert hatte, war die Tatsache, dass die T�r des grauen Fiats eine gro�e Delle anscheinend erst vor kurzen bei einem Unfall abbekommen hatte und zwar nicht durch Verschulden des Fahrers des Fiats. Johannes’ Theorie einer Jagd durch die Polizei die den Wagen gerammt h�tte erschien mir doch eher hollywoodreif als realistisch. Nach einer Weile kam uns ein Abschleppwagen entgegen und der Polizist, der mit in diesem Wagen sa�, fragte uns wieder, ob wir denn einen „small, grey car“ gesehen h�tten. Wir erkl�rten im darauf, was wir gesehen hatten, er dankte uns und fuhr weiter. Es wurde schon langsam dunkel, als wir in Bjonera ankamen; die Stadt bestand eigentlich nur aus 5 H�usern und einer Tankstelle. Es war Samstag abend und wir waren hungrig wie 2 L�wen. In unserer Not beschlossen wir, den n�chsten Tag „Survival“ zu praktizieren. F�r den Moment allerdings war uns das zu aufwendig, also a�en wir an der Tankstelle jeder einen Hotdog f�r 8 DM und kauften uns eine Cola. W�hrend wir so da an der Tankstelle sa�en, fiel unser Blick auf ein dort in der N�he stehendes Polizeiauto, das am linken Kotfl�gel einen sichtbaren Unfallschaden hat. Ich muss zugeben, dass Johannes’ Theorie der „Rambo-Bullen“ dadurch fast bewiesen wurde und nach einer Weile kam der Abschleppwagen mit den beiden anderen Polizeiwagen, und im Cockpit sa� der Fahrer des grauen Fiat, der uns nicht gerade freundlich anzuschauen schien, w�hrend die Polizisten uns zuwinkten; nach diesem kleinen „Zwischenfall“ fuhren wir noch einige Kilometer gen Westen, weg von dem sch�nen Randsfjorden und schlugen am Vestre Bjonevatn, einem extrem klaren, aber auch sehr kaltem See unser Nachtlager auf. Nachdem unsere Angelversuche aufgrund der �u�erst schlecht gebauten Angel buchst�blich ins Wasser fallen, waren wir froh, noch einige Nahrungsmittel in den Taschen zu haben, und so mussten wir zwar nicht ganz hungrig, aber doch mit der Erkenntnis, das vor uns 200 km Natur pur ohne gr��ere Zivilisationsinseln lagen, einschlafen.

Ausgeruht sa�en wir am n�chsten Morgen wieder auf den R�dern. Unser Ziel f�r den heutigen Tag lautete Nesbyen, d.h. wir mussten quer �ber den Fjell, das zentrale Hochgebirge, das sich in Nord-S�drichtung durch ganz Skandinavien zieht. Nachdem wir ein St�ck die E16 von Bjonevika bis nach Nes unter den Pneus hatten, kamen wir auf einer kleineren Stra�e nach Hedal. Dort sahen wir die erste Stabkirche. Diese spezielle Bauart von Kirchen, es werden statt waagrechten Balken senkrechte „St�be“ verwendet, um die Kirchen wind- und sturmsicher zu bauen, hatte Ihre Bl�te im 12. und 13. Jahrhundert. Die meisten der vormals �ber 650 Stabkirchen ist mittlerweile leider verfallen oder abgerissen worden, so dass heute nur noch 27 Kirchen an Ihrem urspr�nglichen Ort stehen. Leider war die Kirche sonntags verschlossen, und so entging uns die wertvolle Ausstattung und Wandbemalung im Inneren der Stabkirche.
Von Hedal an fing die Stra�e langsam aber st�ndig an zu steigen. Die Landschaft ist hier sehr stark bewaldet, nur in gro�en Abst�nden kamen wir durch ein kleines Dorf. Da am Stra�enrand reichlich verschiedene Beeren wuchsen, begannen wir, Himbeeren, Blaubeeren und andere zu sammeln, damit wir wenigstens etwas zu essen hatten. Als es schon 5 Uhr war, und wir immer noch nichts gegessen hatten, erreichten wir vorl�ufig den „Gipfel“. Bisher hatte sich hinter jeder H�gelkuppe noch ein weiterer Anstieg verborgen, doch jetzt sahen wir ringsherum nur W�lder und Seen. Wir waren jetzt auf 1000 m �.d.M. und genossen erst einmal die Aussicht. Die Gegend wirkte sehr verlassen, Alle Stunde kam ein Auto und dann war wieder Ruhe. So fuhren wir auf der H�he an Seen entlang, bis nach ca. 10 km sich der Stra�enbelag abrupt �nderte und wir auf einer Buckelpiste weiterfahren mussten. Dazu f�hrte die Stra�e auch noch steil bergab, und wir �berpr�ften zur Sicherheit nochmals die Karte, aber wir waren definitiv auf dem richtigen Weg, auch wenn dieser in der Karte als rote Strasse eingezeichnet war. Als wir so vorsichtig, aber auch nicht gerade langsam auf der staubigen Piste vorw�rts rollten passierte mir dann die erste Panne. Auf einmal ging das treten so leicht, und im n�chsten Augenblick wusste ich auch schon, warum. Hinter mit lag im staubigen Schotter die Kette. In dem Moment war ich wirklich sehr froh, dass ich vor der Tour noch mal die Kette gereinigt hatte und somit wu�te, wie man die Kette auf- und zunieten kann und auch den Nietendr�cker dabei hatte. Denn anderenfalls, 50 km nach vorne und hinten zum n�chsten gr��eren Dorf, alle Stunde ein Auto, und das abends um 19 Uhr, das w�re nicht so angenehm geworden. Zum Gl�ck reine Hypothese, wir flickten die Kette schnell und dann ging es auch schon weiter. Nach einer 10 km langen Abfahrt �ber Stock und Stein erreichten wir einen See, der recht belebt zu sein schien. Da es danach wieder bergauf ging, beschlossen wir, den Tag hier ausklingen zu lassen. Wir schoben also die Bikes an den Strand, der eine Art „Seebad“ war, wo es 2 kleine H�tten gab und so genossen wir die Ruhe. Nach einer Weile kamen 3 Norweger so ca. 16 Jahre alt an den Strand, die anscheinend nichts Rechtes zu tun wussten und sich dann am�sierten, wie sie Rettungsring, Baumst�mme u.�. ins Wasser warfen, eine Tonne anz�ndeten und alles m�gliche dort verbrannten. Da Sie uns abgesehen von einigen bl�den Kommentaren nicht weiter st�rten, machten wir uns ans Pilze f�r das Abendessen suchen. Nach einer Weile hatten wir auch genug Pilze gefunden und wir, als absolute Pilz-Laien, stimmten �berein, das m�ssen Champignons sein. Also ern�hrten wir uns diesen Abend von Pilzsuppe, Beeren und etwas altem Brot, das wir noch hatten. Danach legten wir uns in die H�tte zum schlafen, in der Hoffnung, am n�chsten Morgen nicht durch Fr�hschwimmer gest�rt zu werden.

Zum Gl�ck war es die Sonne, und nicht ein sportlich ambitionierter Fr�haufsteher, die uns weckte, und so konnten wir in aller Ruhe (wenn auch ohne Fr�hst�ck) in dem See baden gehen und uns mental auf den Anstieg nach Nesbyen vorbereiten. Die Sonne schien und wir waren optimistisch, heute weit zu kommen, auch wenn, wie sich zeigen sollte, der heutige Tag den Einstieg in das norwegische Schmuddelwetter darstellte. Aber noch waren wir bester Laune und hatten nach 2 Stunden die Steigung �berwunden. Da endlich das Wochenende vorbei war, konnten wir in Nesbyen ausf�hrlich fr�hst�cken, was uns in dieser Situation einiges bedeutete ! Von Nesbyen f�hrte unser Weg dann 150 Kilometer an dem Fluss Bromma entlang auf der leider relativ stark befahrenen E7 bis nach Haugastol, dem Startpunkt des Rallarvei, einem der sch�nsten Radwanderwege Skandinaviens, den wir unbedingt „erfahren“ wollten. Doch schon kurz nach verlassen der Stadt Nesbyen verdunkelte sich der Himmel zusehends und es fing auch langsam an sich einzuregnen; wir hofften allerdings, dass das nur ein kurzer Regenschauer sein m�ge und verzichteten auf die komplette Regenmontur. Doch nach einer Stunde wurde der Regen deutlich st�rker und fast schon unertr�glich, doch jetzt waren die Klamotten schon so durchn�sst, dass es f�r Regenhose u.�. zu sp�t war. Wir fuhren also fluchend am Stra�enrand der E7 entlang und hofften auf bessere Zeiten. Doch der Regen wurde nur noch st�rker. Nach 87 Kilometern kamen wir in Geilo an, es wurde schon dunkel und die K�hle macht uns in Verbindung mit total durchgen�ssten Sachen nicht gerade viel Spa�. Geilo ist ein kleiner, relativ h�sslicher Wintersportort, und so machten wir uns auf die Suche nach einer billigen �bernachtungsm�glichkeit, da uns jegliche Lust auf Zelten vergangen war. Doch selbst die billigsten Appartements sind erst ab 45 DM/Person zu haben. Also fuhren wir zuerst einmal zum Bahnhof, und zu unserer positiven �berraschung war die Bahnhofshalle beheizt und mit Pl�schsesseln ausgestattet. So zogen wir uns erst mal warme und regendichte Sachen an und nach einem Besuch des EUROSpar waren wir wieder einigerma�en hergestellt. Doch gegen Halb Neun machte uns der Bahnhofsvorsteher freundlich darauf aufmerksam, dass der Bahnhof geschlossen wird. Wir wollten eigentlich nur noch schlafen und da der Regen etwas nachgelassen hatte und wir jetzt auch gut ger�stet waren, machten wir uns auf die Suche nach einer Schlafgelegenheit. Wir fanden Sie in einer Ausstellung von H�tten des Mittelalters, die in der Ortsmitte aufgebaut war. Zwar waren die H�tten abgeschlossen, aber unter dem Vordach waren wir immerhin vor dem Regen gesch�tzt und so fielen wir hundem�de in unsere Schlafs�cke, w�hrend der Regen auf das Dach aus roh gezimmerten Balken trommelte.

Englisches Gemurmel einer Reisegruppe weckte uns am n�chsten Tag in aller Fr�he und wir konnten gerade noch rechtzeitig unseren Kram zusammenpacken, bevor unsere H�tte Anschauungsobjekt einer F�hrung f�r eine Touristengruppe aus England wurde. Nachdem wir allerdings die ersten Sonnenstrahlen hinter dem Horizont auftauchen sahen besserte sich unsere Laune zusehends und wir fuhren zuerst einmal wieder zu dem Bahnhof um uns ein wenig aufzuw�rmen und uns ein ausgiebiges Fr�hst�ck zu genehmigen. Am Bahnhof in Geilo herrschte ein reges Treiben, da Geilo die letzte Bahnstation vor der Hardangervidda und zugleich Ausgangspunkt f�r Wandertouren durch dieses �u�erst reizvolle Hochplateau ist. Dort lernen wir auch Gail, eine Studentin aus Haifa kennen, die mit dem Zug nach Bergen will, und so verplappern wir fr�hlich den Vormittag und nach einem herzlichen Abschied steht die Sonne schon im Zenit, als wir endlich wieder in die Pedale treten. Die Landschaft wurde immer k�rger. Die stark bewaldeten Gebiete wurden durch kaum bewachsene und von Felsmassiven dominierte H�gellandschaften abgel�st. Nach einer guten Stunde kamen wir in Haugastol an. Hier beginnt der Rallarvegen (oder Rallarvei), der wie gesagt einer der sch�nsten Radwege in Skandinavien ist. Wir kaufen noch einmal in kr�ftig ein um f�r alle F�lle ger�stet zu sein. Am Ortsausgang entdecken wir ein gro�es Fahrradgesch�ft, dessen Besitzer sich �ber mangelnde Arbeit angesichts der vielen Radler sicher nicht beschweren kann. Da ich schon die letzten Kilometer gemerkt hatte, dass sich das Tretlager gelockert hatte, nutzte ich die Gelegenheit, es mangels eigenem Kurbelabzieher und Lageschl�ssel neu einstellen zu lassen.
Doch dann waren wir bereit und passierten erwartungsvoll das „Rallarvei“-Schild. Wir lie�en die letzten H�user hinter uns und waren nun inmitten von flechtenbewachsenen H�geln, pl�tschernden Fl�ssen und absolut klaren Seen. Der Rallarvegen ist ein alter Bau- und Versorgungsweg, der schon in den 90er Jahren des mittlerweile vorletzten Jahrhunderts gebaut wurde, um die ber�hmte Bergenbahn, die damals erste Querverbindung durch Skandinavien von Oslo nach Bergen der Natur abzutrotzen. Heute gibt es eine zweite Bahnstrecke und die alte Linie wird kaum mehr benutzt, da sie selbst im Sommer an vielen Stellen durch Schneeverwehungen unbefahrbar ist. An ebendieser Bahnstrecke schl�ngelt sich der Rallarvei �ber den Nordrand der Hardangervidda. Vereinzelt sieht man noch alte Geh�fte, die aber mittlerweile s�mtlich unbewohnt sind.
Nach einer Stunde packte Johannes das unwiderrufliche Verlangen einen der sonnenbeschienenen H�gel zu besteigen. Und da ich seinem Dickkopf in diesem Moment kein wirklich gutes Argument entgegenzusetzen wusste, was ich sp�ter in keinster Weise bereuen sollte, kletterten wir �ber Felsbrocken und Flechten hinweg auf die Spitze eines der H�gel und genossen einen phantastischen Blick �ber eine Landschaft , die (von der Bergenbahn abgesehen) absolut keine Einwirkungen der Zivilisation aufweist. Das Hochgef�hl von Freiheit, das einem in so einem Moment bef�llt l�sst sich nicht wirklich gut beschreiben. So machten wir uns auf die Weiterfahrt auf der aus Schotter und Felsbrocken bestehenden Piste. Wir durchfuhren Finse, ein aus 5 H�usern bestehendes Dorf, und kurz darauf verschwand die Sonne hinter den H�gelkuppen. Innerhalb von einer viertel Stunde sank die Temperatur von sommerlichen 28 Grad auf 5�, was uns ziemlich �berraschte, So machten wir uns schnell auf die Suche nach einer geeigneten �bernachtungsm�glichkeit, doch das stellte sich als komplizierter als erwartet heraus. Gekennzeichnete �bernachtungsm�glichkeiten gab es nicht, und der Boden war meist nackter Fels und somit f�r ein Tunnelzelt unbrauchbar und dazu noch stark absch�ssig. Doch angesichts der zunehmenden K�lte mussten wir schlie�lich einen Kompromiss machen und schoben unsere R�der auf eine Art kleines Plateau, wobei wir allerdings dem stark blasenden Wind nat�rlich eine ideale Angriffsfl�che boten. Bis jetzt hatten wir entweder eine �berdachte Schlafm�glichkeit gefunden oder unter freiem Himmel ohne Zelt kampiert, doch diesmal, da waren wir uns einig, wollten wir trotz grunds�tzlich optimistischer Einstellung auf diesen Schutz nicht verzichten. Also bauten wir Johannes Zelt auf und, oh Wunder, im Gegensatz zu unseren letzten beiden Touren (gell, Hannes) stellte es sich als �u�erst robust und funktionsf�hig heraus. Wir brachten sogar noch, nachdem wir uns aus Steinen und Packtaschen einen Windschutz gebaut hatten, sogar noch eine k�stliche (und vor allem w�rmende) Nudelmahlzeit zustande und krochen schnell in unsere Schlafs�cke, wo wir noch eine Weile das Tosen eines Wasserfalls und das Blasen des Sturms h�rten. Doch dank der lauschig warmen Schlafs�cke h�rte sich das ganze nicht mehr bedrohlich an.

Als die Sonne tags darauf wieder langsam �ber die H�gel kam waren wir auch schon auf den R�dern und auf dem Weg nach Myrdal. Wir waren zwar erst auf 1200 Metern H�he, aber im Vergleich zu den s�dlicheren Alpen ist die Schneegrenze hier nat�rlich relativ niedrig. So wechselten sich jetzt grober Schotter, Ger�ll und Schneebretter als Stra�enbelag ab und das Schieben des voll bepackten Velos auf der teilweise meterhohen Altschneedecke war nicht immer gerade einfach. Gegen Mittag trafen wir dann immer mehr Radler, die allerdings meist ohne Gep�ck unterwegs waren und es mit ihren Mountainbikes nat�rlich erheblich leichter hatten, w�hrend wir, um unsere Hinterradfelgen besorgt, �ber den teilweise mit kindskopfgro�en Steinen �bers�ten Weg zu fahren versuchten. Gegen Nachmittag setzte dann Nieselregen ein, der in Verbindung mit dem relativ starken Wind das Fahren nicht gerade erleichterte, doch auch wenn die Bedingungen relativ unwirtlich zu sein schienen, es waren diese Momente, in denen die norwegische Natur und Unber�hrtheit, die man hier als Fahrradreisender hautnah erleben kann, einen f�r alles entsch�digt. Gegen Nachmittag kamen wir dann in Myrdal an, einem Ort, der eigentlich nur aus einem Bahnhof besteht und der das westliche Ende des Rallarvegen darstellt. Der weitere Weg von hier nach Westen wird durch einen Gebirgszug versperrt, der nur durch einen Bahntunnel �berwunden werden kann. Daher erkundigten wir uns nach dem n�chsten Zug in Richtung Bergen und sa�en dann noch 2 Stunden auf dem sonnenbeschienenen Bahnsteig, der abgesehen von einigen Wandern sehr einsam und ruhig war. Nachdem der Zug den Berg durchquert hatte, stiegen wir Upsete wieder aus. Die folgenden 40 km bis nach Voss rollten wir unbeschwert auf asphaltierter Strasse hinunter. Wir verlie�en die Hardangervidda und fanden uns als es bereits dunkel wird im lieblichen Raundalen mit seinen Obstg�rten, vielen kleinen Bauernh�fen und Wiesen wieder. Dem H�henunterschied von ca. 800 m entspricht ein Temperaturunterschied von 10�, so dass wir uns im T-Shirt in Voss in einem zum Gl�ck bis 22.00 ge�ffneten Minipris-Markt wieder mit Lebensmitteln versorgen konnten. Es ist schon Halb Elf, als wir am Bahnhof stehen. Wir hatten uns entschieden, falls m�glich, mit dem Zug nach Bergen zu fahren, um so mehr Zeit an den Fjorden n�rdliche von Bergen zu haben. Doch der n�chste Zug ging erst am n�chsten Morgen, und so beschlossen wir, da es bereits stockdunkel und auch etwas feucht war, die Nacht durchzufahren. Zwar hatten wir bis dato nur schlechte Erfahrungen mit Nachtfahrten gemacht, doch wir waren fit, kauften uns noch ne Cola und dann fuhren wir mit surrendem Dynamo in die k�hle Nacht hinein. Da die Strassen hier leergefegt waren, nahmen wir die E16 unter die Pneus, da der Weg �ber kleinere Strassen sehr bergig und ein gro�er Umweg gewesen w�re. Nach einigen Stunden kamen wir an den Veafjorden, unseren ersten Fjord, der im Vollmondlicht sehr gespenstisch aussah. Das Wasser war v�llig glatt und gl�nzte im Mondschein w�hrend ringsherum die Berge in vollkommener Schw�rze emporragten. Gegen 3 Uhr hielt Johannes pl�tzlich an und wir stellten fast, dass sein Hinterreifen merklich an Luft verloren hatte. Nachdem er ihn wieder aufgepumpt hatte, konnten wir wieder einige Kilometer fahren, um dann das gleiche Ritual wieder von vorne zu wiederholen. Doch wir waren mittlerweile einigerma�en m�de und absolut nicht in der Stimmung, jetzt den Schlauch auszuwechseln, und so mussten wir von nun an alle halbe Stunde wieder Luft nachpumpen. Je n�her wir Bergen kamen, desto bergiger wurde die Landschaft und desto l�nger auch die Tunnels, die wir zu durchfahren hatten. Offiziell sind sie zwar f�r Fahrr�der verboten, aber au�er einigen LKWs war die Strasse absolut leer und so hielten wir es f�r nicht so problematisch. Nachdem wir gegen 5 Uhr morgens, die bis zu 4 km langen Tunnels, das Dynamogesurre und das Bed�rfnis nach Schlaf hatte unserer Moral mittlerweile stark zugesetzt, in Trangereid ankamen setzte dazu noch Regen ein. Die E16 wurde ab hier zur Autobahn, also mussten wir das letzte St�ck mit der Bahn zur�cklegen. Der Zug war voll mit ausgeschlafenen Pendlern, zwischen denen wir ein irgendwie komisches Bild abgaben. Als wir in Bergen angelangt aus der Bahnhofshalle kamen, todm�de, nach 164 geradelten Kilometern ersch�pft und mit einem Platten, empfing uns Bergen mit Nebelschwaden und Dauerregen. Wir schoben unsere R�der durch die Stadt, auf der Suche nach einer Unterstellm�glichkeit und schlie�lich stellten wir unsere Bikes unter das Vordach eines zum Gl�ck noch nicht ge�ffneten Museum im Park und w�hrend mich an Ort und Stelle der Schlaf �bermannte reparierte Johannes seinen Platten und machte schon mal die Tourist-Information ausfindig. Wir waren in Bergen, der zweitgr��ten und sicherlich sch�nsten Stadt Norwegens.

Doch der Himmel war bedeckt, es nieselte und wir waren einigerma�en k.o. von der Nachtfahrt, so dass wir zun�chst nicht sehr viel von der Kulturstadt 2000 mitbekamen, auf der Suche nach einem warmen Pl�tzchen. Doch wir wollten unbedingt wenigstens ein paar Tage hier verbringen und standen so um 17 Uhr vor dem YMCA-Haus um uns einzuquartieren. Doch f�r die Nacht waren alle Betten ausgebucht und auch bei der Jugendherberge hatten wir kein Gl�ck. Nun standen wir wieder vor der Entscheidung, was tun. Ein Hotel kam nicht in Frage und so beschlossen wir schweren Herzens, weiterzufahren. Wir schoben unsere R�der noch einmal durch die Innenstadt, den Fischmarkt und am Hafen entlang und dann fuhren wir, mit dem festen Vorsatz, wieder hierher zukommen, in Richtung Norden. Nachdem wir uns in den kleinen Vororten von Bergen einmal verfahren hatten, fanden wir schlie�lich den richtigen Weg und nach 30 km schlugen wir an einem Spielplatz bei Steinest� unser Nachtlager auf. Wir schafften es gerade noch das Zelt aufzubauen, als der Regen schon anfing, auf das Zeltdach zu trommeln.

Der Regen hatte auch nicht aufgeh�rt als wir am n�chsten Tag aufwachten und feststellten, dass das Zelt irgendwie durchgesuppt hatte. Der Regen war wohl doch zuviel gewesen, obwohl das obschon wir das Zelt gut abgespannt hatten nicht h�tte passieren d�rfen. Egal, das Zelt war klatschnass, und es regnete immer noch. Zum Gl�ck gab es eine kleine H�tte auf dem Spielplatz, wo wir uns f�rs erste unterstellen konnten. Doch erst gegen 14 Uhr wurde der Regen schw�cher, und wir nutzten die Chance, das Zelt einzupacken, unsere Regenklamotten anzuziehen und weiterzufahren. Wir �berquerten unseren ersten Fjord, den Osterfjorden bei Knarvik �ber eine 2 Kilometer lange Br�cke der E39 und genossen den Einblick in das tiefgeschnittene Fjordtal, durch das man bis tief ins Landesinnere sehen konnte. Weiter ging es auf der E39, bis uns ein 8 km langer Tunnel den Weg zu versperren drohte. Ein (verbotenes) Durchfahren kam nicht in Frage, da die Strasse sehr stark befahren war. Und so bogen wir ab auf eine kleine, unbefahrene Strasse die in eine kaum bewohnte Fjordlandschaft f�hrte. Der Regen hatte mittlerweile aufgeh�rt, und da es schon dunkel wurde, machten wir uns wieder auf die Suche. Die Strasse, auf der wir fuhren, schl�ngelte sich am Sanfjord entlang und wir fanden einen gro�en Felsen, von dem wir eine sch�ne Aussicht auf den Fjord hatten und wir beschlossen, in der Hoffnung auf eine trockene Nacht hier frei zu campen. Als wir schon in den Schlafs�cken lagen, bemerkten wir sie. Sie, das waren ca. hunderttausend kleine M�cken die auf dem Felsen die Luft verdunkelten. Sie kamen durch jede noch so kleine L�cke in den Schlafsack und bald waren in den Schlafs�cken ebenso viele von den Biestern wie in der Luft. Wir versuchten uns verzweifelt mithilfe des Benzinkochers und eines Spr�hdeos gegen sie zur Wehr zu setzen, doch unsere Ruhe hatten wir erst nach 2 Stunden, als wir ersch�pft einschliefen.

Es war wieder Samstag und wir kannten das Spiel hier schon und machten uns daher zuerst mal auf die Suche nach einem m�glichst noch ge�ffneten Ladens um uns f�r das Wochenende einzudecken. Und diesmal hatten wir ausnahmsweise mal Gl�ck. Bereits nach einer Stunde fanden wir im n�chsten Dorf einen kleinen Laden, der allerdings von seinem Sortiment nicht mal mit den Tankstellen hierzulande mithalten konnte, aber, und das war viel wichtiger, er hatte ge�ffnet. Auf dem Dorfplatz gab es einige B�nke und Tische und so beschlossen wir, vor der Weiterfahrt zuerst einmal einen ordentlichen Brunch zu veranstalten und gest�rkt durch R�hrei, baked Beans, Brot, Marmelade und Cola machten wir uns gegen Mittag auf. Wir kamen in ein Gebiet durchzogen von Fjorden und da unsere Karte nicht die genaueste war standen wir auf einmal am Ende der Stra�e, auf beiden Seiten Autowracks und anderer Schrott, umgeben von Wasser und einer steilen Bergwand. Obwohl wir uns sicher waren, keine Abfahrt verpasst zu haben, mussten wir uns wohl oder �bel auf den R�ckweg machen. Fluchend stiegen wir wieder in die Pedale und tats�chlich, wir hatten keine Kreuzung �bersehen, allerdings hatten wir die vielen F�hrverbindungen au�er Acht gelassen. Schon der F�hrmann der ersten F�hre erkl�rte uns kurz, wie wir per F�hre und Fahrrad nach Lavik, was unser n�chstes Etappenziel war, erreichen k�nnten.
Nach der kurzen, und f�r norwegische Verh�ltnisse auch g�nstigen �berfahrt und 10 geradelten Kilometern kamen der n�chste Fjordarm und wir mussten wieder auf eine F�hre warten. Die Sonne ging verschwand schon hinter einer H�gelkette als wir auf der F�hre 2 Bremer kennenlernten, die im Ruhestand noch einmal gen Norden wollten. Sie waren beide erfahrene Skandinavienreisende und hatten daher das ganze Auto mit Lebensmitteln vollgepackt, um Geld zu sparen. Und ehe wir uns versahen hatte jeder von uns 2 Dosen Bier in der Hand mit den besten W�nschen und der allergr��ten Hochachtung, die sich ein Radreisender w�nschen kann.
Nachdem wir uns herzlich verabschiedet hatten, machten wir uns, da es seit dem Sonnenuntergang merklich k�hler geworden war, auf die Suche nach einer geeigneten �bernachtungsm�glichkeit. Da die Dunkelheit jetzt sehr schnell hereinbrach blieb uns nicht mehr viel Zeit und so mussten wir notgedrungen auf einer feuchten Kuhweide campieren. Da der Himmel gut aussah, verzichteten wir auf das Zelt und nachdem wir gen�sslich die Bremer Biere unter einem mittlerweile rabenschwarzen Himmel geleert hatten, schickten wir noch Sto�gebete f�r eine trockene Nacht gen Himmel und schliefen dann ein.

Doch unsere Gebete waren nicht erh�rt worden, denn gegen 5 Uhr morgens wachten wir auf und mussten feststellen, dass es zu regnen angefangen hatte und unsere Schlafs�cke bereits merklich feucht waren. Und so probierten wir zum ersten mal unsere selbsterdachte „Sandwich-Methode“ , die wir f�r so genial gehalten hatten, dass wir glaubten, auf ein Zelt verzichten zu k�nnen, was wir aber gl�cklicherweise dann doch nicht gemacht hatten. Den Vorteil eines Zeltes merkten wir nach 10 Minuten als sich das auf der Plane angesammelte Wasser sich unkontrolliert �ber Schlafs�cke und Isomatten ergoss. An schlafen war nicht mehr zu denken und so packten wir im Regen zusammen und fuhren erst mal zur�ck zur F�hrstation nach Lavik um dort zu beratschlagen, was zu tun das Beste sei.
Da der Regen st�rker geworden war und wir auch nichts fr�hst�cken konnten, es war ja Sonntag, waren wir dementsprechend nicht gewillt, uns gleich auf die R�der zu schwingen, und so machten wir uns auf die Suche nach einer Busverbindung. Da es zwischen Bergen und Alesund keine Bahnstrecken gibt, ist man hier auch f�r weitere Strecken auf �berlandbusse angewiesen, die hier auch relativ h�ufig verkehren. Nach einer halben Stunde Wartezeit kam schon der erste Bus und er fuhr sogar in die richtige Richtung. Wir hatten zwar Bedenken, ob das mit den Fahrr�dern klappt, aber der Fahrer meinte, das sei gar kein Problem. Doch als wir erkannten, wo er sie zu verstauen gedachte, wollten wir es uns mit dem Busfahren noch mal �berlegen, aber da hatte er schon die Gep�ckklappen ge�ffnet und er bedeutete uns, uns mit dem Einladen zu beeilen. So wuchteten wir die R�der und alle Taschen in die eigentlich nur f�r Koffer gedachten F�cher, was nur unter Verbiegungen gewisser Teile und Zuhilfenahme von roher Gewalt m�glich war. Doch wir waren froh, als wir endlich im warmen, trockenen Bus sa�en, der uns f�r 220 NOK aber daf�r trockenen Fu�es nach F�rde brachte. Das Wetter war mittlerweile etwas besser geworden und so wollten wir nicht noch mehr Geld f�r das Busfahren bezahlen, sondern wir stiegen aus, richteten unsere R�der, die etwas ramponiert aussahen wieder her und stiegen in die Pedale. Unsere Route f�hrte zun�chst etwa 20 km an dem sehr fischreichen J�lstravanet entlang. Gegen Nachmittag leuchtete uns im Osten der J�stedalsbreen, der mit 486 qm gr��te Gletscher des europ�ischen Festlandes, in der Sonne entgegen. Wir kamen durch Klakegg und von da an kamen wir in das wilde V�tedalen. Das Tal wird auf beiden Seiten durch 1400 m hohe Felsw�nde eingezw�ngt. Hinter Byrkjelo �ffnet sich das Tal und macht einem fruchtbaren, lieblichen Talkessel Platz. Nach einem kurzen Abendessen an einer verlassenen Bushaltestelle wurde es bereits dunkel, als wir noch den Aufstieg auf den Utvikfjell begannen. Da wir heute einen ruhigen Tag hatten wollten wir noch bis zum Abend den Fjell erklimmen, um nicht am n�chsten Morgen gleich nach dem Aufstehen einen Anstieg bew�ltigen zu m�ssen. Es nieselte ein wenig und die vollkommen unbefahrene Stra�e schl�ngelte sich durch einen Fichtenwald stetig aufw�rts. W�hrend der mit den feinen Regentropfen vermischte Geruch des Fichtenharzes unsere Nasen kitzelte gingen �ber uns die Sterne auf. Es war bis auf das surren der Dynamos vollkommen still und nur ab und zu h�rte man ein leises Knacksen oder Vogelrufe aus dem Wald. Nach einer 3-st�ndigen Nachtfahrt waren wir auf 630 m angekommen und die Stra�e f�hrte steil nach Utvik wieder ins Tal. Wir machten uns also auf die Suche nach einem Schlafpl�tzchen. Da es immer noch regnete brauchten wir ein Dach �ber dem Kopf und so legten wir unsere Schlafs�cke, die immer noch feucht waren, unter das Vordach eines Skilifts und schliefen sofort ein.

Als wir aufwachten, mussten wir feststellen dass das Vordach einen Meter zu kurz war und folglich unsere Schlafs�cke unten klatschnass waren und die K�lte langsam an unseren Beinen hoch kroch. Also packten wir schnell zusammen und machten uns an die Abfahrt nach Utvik. Auf halber H�he machten wir kurz am Karistova-Hotel Halt, da man von hier eine wundervolle Aussicht �ber den langgestreckten Innvikfjorden und �ber den Jostedalsdalsbreen hat. Von Utvik aus rollten wir am Nordfjord entlang zwischen saftigen Wiesen und glasklarem Wasser auf topfebenem Gel�nde bis nach Stryn. In Styrn, das fast ausschlie�lich von der Holzindustrie lebt, genehmigten wir uns ein ausf�hrliches Mittagessen vor einem Supermarkt, wo wir auch ein junges ebenfalls auf Velos fahrendes Ehepaar aus Barcelona trafen, die von den f�r spanische Verh�ltnisse extrem „erfrischenden“ Temperaturen ganz angetan waren und die schon einige Wochen trotz des regnerischen Wetters in Norwegen unterwegs waren. Weiter ging es durch eine landwirtschaftlich gepr�gte, h�gelige Landschaft vorbei an einsamen Bauernh�fen bis wir gegen Abend in Hellesylt am Geirangerfjord ankamen. Da der Geirangerfjord von sehr hohen Bergen umgeben ist, kann man nur mit der F�hre weiter gen Norden reisen. Also warteten wir auf die F�hre. Nach einer halben Stunde waren wir dann bereits auf dem Weg durch den grandiosen Geirangerfjord, einen 16 km langen Fjordarm, der sich tief in eine �berw�ltigende Gebirgslandschaft mit schneebedeckten Gipfeln, steilen Felsh�ngen und tosenden Wasserf�llen hineinschneidet. Bis in die Sechzigerjahre haben sich einige mutige Bauern an den Steilh�ngen Ziegen und Schafe halten k�nnen sowie Ackerbau betrieben. Noch heute sieht man vom Schiff aus die mittlerweile verfallenen H�fe in atemberaubender H�he, deren Besitzer ihre Kinder an einem Baum anbinden mussten, damit sie nicht in die Tiefe st�rzten. Auf der F�hre lernten wir ein junges Ehepaar kennen, das schon seit einer Woche in Geiranger war und von dem wir einiges �ber die Gegend erfahren, u.A. auch, dass der Trollstigen, �berden wir eigentlich weiterreisen wollten, seit heute f�r ein halbes Jahr wegen Bauarbeiten gesperrt wurde. Immerhin konnten Sie uns eine g�nstige �bernachtungsm�glichkeit in Geiranger empfehlen. Angekommen in Geiranger wurde es bereits dunkel und so machten wir uns auf die Suche nach der empfohlenen Adresse. F�r 150 NOK bekamen wir eine H�tte mit 2 Betten und Kochgelegenheit. Nach 2 Wochen nur campieren, mit jeder Menge feuchter Klamotten im Gep�ck f�hlten wir uns wie im Paradies. Nachdem wir Duschen, Waschen und Rasieren hinter uns gebracht haben waren wir wie neugeboren und wir entschieden uns, hier noch einen Tag zu bleiben.

Am n�chsten Morgen krochen wir ausgeruht und erholt wie schon lange nicht mehr aus den Schlafs�cken. Wir verstauten unsere Fahrr�der in der H�tte und machten uns zu Fu� auf den Weg zu einem der verlassenen Bauernh�fe, der Homlong Alm (Homlongsetra), die uns das Ehepaar auf dem Schiff als sehr eindrucksvoll empfohlen hatte. Nach einem 2-st�ndigen Aufstieg waren wir auf 550 m hoch gelegenen Alm angelangt und wirklich, der Ausblick den man von hier auf den tiefblauen Fjord direkt unter sich hat ist wirklich fantastisch. Die kleinen Steinh�tten sind mehr in den Hang hineingegraben als auf ihm gebaut und es ist schwer vorzustellen, wie hier noch vor 40 Jahren eine Familie sich praktisch komplett selbst versorgen konnte. W�hrend wir so unsere Beine �ber dem Fjord baumeln lassen sehen wir die Queen Elisabeth 2 unter uns in Geiranger vor Anker gehen , und so war der kleine Ort als wir zur�ckkamen bereits mit Hunderten von englischen und amerikanischen Touristen in gesetztem Alter �berflutet. Den Abend verbrachten wir mit Karten schreiben und dem Trocknen der feuchten Klamotten in der H�tte. Es sollte unsere letzte Nacht in einer festen Unterkunft bleiben und so waren wir froh, noch einmal im Trockenen und Warmen zu sein.

Doch wir wollten weiter und so packten wir am n�chsten Morgen unsere Sachen und begannen den Aufstieg gen Osten. Eigentlich hatten wir ja vorgehabt �ber den Trollstigen weiter nach Norden zu fahren. Der Trollstigen ist eine der anspruchvollsten Strecken f�r Radfahrer in Norwegen und w�hrend man in sehr engen Haarnadelkurven sich m�hevoll auf �ber 1000 m er-f�hrt, umgibt einen ein phantastisches Bergpanorama. Doch da dieser Weg wie das Ehepaar auf der F�hre schon gesagt hatte gesperrt war konnten wir nur gen Osten weiterfahren.
Der Weg windet sich hier eingebettet zwischen H�gelketten langsam in die H�he. Am Fydalsjuvet, einem der (dem Reisef�hrer nach) ber�hmtesten Fotomotive der Welt machten wir kurz halt. Das faszinierende an diesem Felsen ist, dass man auf einem �berh�ngendem Felsvorsprung sitzen kann und unter einem 500 Meter Luft sind w�hrend man eine grandiose Aussicht auf den gesamten Geirangerfjord und die imposant aufragenden Felsw�nde hat. Die Strasse wurde immer steiler, aber es war mit 20� relativ warm und so fuhren wir gut gelaunt in den Tag hinein. Da unsere Karte keine genauen H�henangaben enthielt wussten wir nicht, wie lange der Aufstieg dauern w�rde, aber nach 2 Stunden im ersten Gang, immer wieder angefeuert von den vorbeifahrenden Autofahrern begannen wir uns hinter jeder H�gelkuppe den Gipfel zu erhoffen. Zudem fing es jetzt auch noch zu regnen an. W�hrend sich die Landschaft immer mehr in eine Art Tundra ver�nderte und feuchte Nebelschwaden �ber die Strasse zogen wurde der Regen immer st�rker. Wir waren mittlerweile auf 1000 Metern angekommen und es war nur noch 3 Grad warm, als wir endlich Djupvasshytta, den h�chsten Punk erreichten. Doch wir waren nicht die einzigen. 5 Busladungen voll Queen Elisabeth 2-Passagieren �berf�llten bereits die H�tte und empfingen uns, verschwitzt und durchn�sst wie wir waren, mit mitleidigen, anerkennenden und belustigten Kommentaren. Nachdem wir uns aufgew�rmt und umgezogen hatten stiegen wir wieder auf die R�der und machten uns an die leichte Abfahrt nach Lom. Vorbei an Gletschern und kaum bewachsenen Felsh�ngen rollten wir durch eine wundersch�ne extreme Hochgebirgslandschaft begleitet von einem absolut klar-blauem Gebirgsstrom in das Ottadalen. Die Schneefelder, kr�ppeligen Gebirgskiefern und gr�nen Gletscherseen wichen dichten W�ldern und saftigen Wiesen. Wir kamen wieder durch die ersten kleinen D�rfer und kamen gegen Abend nach Lom, das vor allem f�r seine alte Stabkirche bekannt ist. Die 1170 gebaute urig wirkende Kirche ist heute praktisch noch im Urzustand und hat als einzige in Norwegen noch den ber�hmten Firstkamm, der mit zahlreichen geschnitzten Drachenk�pfen verziert ist. Ansonsten ist Lom sehr vom Tourismus gepr�gt und da wir keine g�nstige �bernachtungsm�glichkeit finden verlassen wir die Stadt auf der Suche nach einem Zeltplatz. Es ist schon nach Mitternacht, als wir immer noch nichts gefunden haben und schlie�lich, es regnete noch immer, uns mit dem n�chsten Dach begn�gen, was zu einem kleinen Supermarkt in Garmo geh�rte. Auf einer �berdachten Lieferrampe kochten wir uns noch unsere erste Mahlzeit f�r diesen Tag und fielen sofort in einen tiefen Schlaf den Gedanken verdr�ngend, dass L�den normalerweise am fr�hen Morgen beliefert werden.

Und so kam es. Ich wachte von einem lauten Dieselknattern auf und war sofort hellwach, und da steht schon der Fahrer eines CocaCola-LKWs, der am�siert unser hastiges Zusammenpacken beobachtet, und dann seine Ware abzuladen beginnt, w�hrend wir uns im Nieselregen unsere m�den Augen reiben. Es ist 5 Uhr. Da der Supermarkt erst um zehn aufmacht schwingen wir uns ungefr�hst�ckt auf die R�der und sind so mangels Alternativen wieder unterwegs. An der �rtlichen Bushaltestelle fuhren wir an einem im Nebel liegenden sehr niedrigen, mit Moos bewachsenem H�uschen vorbei, in dem 1859 der ber�hmte Schriftsteller Knut Hamsun das Licht der Welt erblickte. Da wir (wenn auch unfreiwillig) schon so fr�h gestartet waren kamen wir bereits gegen Mittag in Otta an, unserem Tagesziel. Von hieraus wollten wir mit der Bahn wieder zur�ck nach Oslo fahren, da der Wetterbericht f�r die kommenden Tage nicht sehr verhei�ungsvoll geklungen hatten. Klar, wir hatten vorgehabt, wenigstens bis Trondheim zu kommen, aber wir hatten schon mehr Geld ausgegeben als wir f�r die gesamte Tour eingeplant hatten und der Regen hatte doch etwas an unseren Nerven gezehrt, so dass wir uns ohne schlechtes Gewissen nach einem Zug zur�ck gen S�den erkundigten. Wir hatten den Zug nach Oslo gerade verpasst und der n�chste fuhr erst gegen Abend, so dass wir den Nachmittag in Otta festsa�en.
Gegen 21 Uhr kamen wir schlie�lich nach 4 Stunden Fahrt in Oslo an. Angesichts des regnerischen Wetters, unserem nicht stadtfeinen Outfit und den teuren �bernachtungspreisen entschieden wir uns schweren Herzens dagegen, noch ein paar Tage in Oslo zu bleiben. Nachdem ein Anruf bei der F�hrgesellschaft ColorLine ergeben hatte, dass uns die �berfahrt nach Kiel pro Person �ber 400 DM kosten w�rde, stand f�r uns fest, dass wir wieder nach Malm� zur�ckmussten, um von dort wieder nach Deutschland �berzusetzen. Und so sa�en wir um 0.30 Uhr wieder im Zug nach Halden, der s�dlichsten Bahnstation der Norwegischen Staatsbahn , wo wir gegen 3 Uhr ankamen. Wir fuhren noch einige Kilometer aus dem Ortskern heraus um einen Platz zum schlafen zu finden und legten uns schlie�lich auf eine freie, gem�hte Wiese nicht weit weg von der Hauptstrasse am Stadtrand von Halden.

Erst am n�chsten Morgen stellten wir dann fest, dass wir auf der Campuswiese der Universit�t von Halden gelandet waren und Hunderte von Studenten in die Aula an uns vorbei hasteten. Die am�sierten Blicke waren wir mittlerweile gew�hnt und so packten wir schnell zusammen und fuhren zur�ck in die Stadt um zu fr�hst�cken. Wir bekamen f�r unsere letzten 120 norwegischen Kronen ein vergleichsweise k�nigliches Fr�hst�ck und so konnten wir sogar endlich den frischen norwegischen Lachs probieren, der erwartungsgem�� den in Deutschland bekannten Alaska-Lachs im Geschmack um L�ngen schlug.
Wir fuhren denselben Weg, den wir schon von der Hinfahrt kannten und �berquerten gegen Mittag die Grenze. In Schweden empfing uns ein blauer Himmel und die 50 km bis Str�mstad waren schnell weggeradelt. Die kleine Hafenstadt erinnerte mich an Nizza, die Stra�en war voller Menschen, die in kurzen Hosen durch die kleinen G�sschen und am Hafen entlang flanierten. Nach 2 Wochen kaltem Norwegen kam es einem wie die Karibik vor. Doch wir wollten weiter und sa�en nach 2 Stunden Relaxen in der Sonne wieder im Zug. Da wir in Schweden, wo Fahrr�der ja offiziell in Z�gen verboten sind, nur in den Regionalz�ge die Schaffner zu einer Ausnahme �berreden konnten, kamen wir erst kurz vor Mitternacht in G�teborg an. Da von G�teborg aus auch keine g�nstige F�hre nach Deutschland zu bekommen war, mussten wir definitiv wieder zur�ck an den Startpunkt unserer Reise. Doch der n�chste Zug nach Malm� fuhr erst am n�chsten Morgen. Wir kannten uns ja mittlerweile in G�teborg bei Nacht aus und wollten diesmal wenigstens einige Stunden schlafen. Hinter der einer im Zentrum gelegenen kleinen Kirche, einer „Norske Sjem�nnkirke“ dachten wir im Schutz der kirchlichen N�chstenliebe auf einer kleinen zum Haus geh�rigen Wiese wenigstens etwas Ruhe zu finden.

Wir wachten zum Gl�ck fr�h genug auf, um rechtzeitig um 6.55 Uhr den ersten Zug nach Malm� zu erwischen, und der Schaffner war gegen einen Aufpreis von 40 DM auch bereit, unsere R�der mitzunehmen. In Malm� angekommen hatten wir eine halbe Stunde Aufenthalt, es war jedoch Samstag und laut der Bahnbediensteten konnte man am Wochenende Fahrkarten ins Ausland nur per Telefon kaufen bzw. vorbestellen. W�hrend wir uns fluchend auf die Suche nach einem M�nztelefon machten, was es nat�rlich nicht gab, fuhr bereits unser InterRegio ein und gl�cklicherweise war ein deutscher Schaffner an Bord, der uns die Tickets dann doch verkaufte. Unser Zug wurde dann wieder wie auf der Hinfahrt auf die F�hre geladen und wir waren schon fast wieder in Deutschland. Einzig die Tatsache, dass wir seit nunmehr 24 Stunden nichts mehr gegessen hatten schlug uns etwas auf den Magen. Als wir in Sa�nitz anlegten waren wir daher sehr erfreut, dass dank einer Sonderregelung auf der ganzen Insel R�gen die Gesch�fte auch Samstag und Sonntag ge�ffnet hatten und so konnten wir das erste mal wieder so richtig ausf�hrlich und vor allem nicht zu skandinavischen Preisen einkaufen.

Wir �bernachteten noch einmal am Strand vor Sa�nitz und radelten am n�chsten Tag auf den sch�nen Obstalleen R�gens vorbei an spr�den Charme verspr�henden, verfallenen Gutsh�usern bis nach Stralsund, von wo wir mit dem Wochenendticket dann in einem mit Fahrradausfl�glern �berf�llten Zug nach Berlin fuhren.

W�hrend wir so zwischen Gep�ck, schreienden Kindern und Fahrr�dern eingezw�ngt auf dem Boden des Zuges sa�en erschien mir dieses ganze bunte Treiben merkw�rdig surreal. Wir waren gut 3 Wochen praktisch in der Einsamkeit des Nordens und dem Aufsichgestelltseins eines Radreisenden gefangen gewesen und jetzt platzten wir mitten in den Wochenendtrubel. Die direkten Eindr�cke begannen zu verblassen und in ein, zwei Tagen w�rde der Alltag wieder das Leben beherrschen aber f�r den Moment waren wir noch zwei Au�enstehende in einer eigenen Welt mit eigenen Gesetzen, auf der einen Seite wie alle auf dem Planeten Erde, auf der anderen Seite noch Hunderte von Meilen entfernt.
Als wir in Berlin ankommen, froh , wieder hier zu sein, ist die Antwort auf Frage „Wie war’s ?“ schnell erz�hlt, ebenso schnell wie dieser Bericht geschrieben ist, doch das, was bleibt, die Erinnerungen und Eindr�cke, l�sst sich nicht auf Papier oder Fotos bannen; es lebt zwischen den Zeilen und erschlie�t sich nur uns, den Reisenden und denen, die sich aufs Rad schwingen oder auf eine andere Weise sich die Welt ansehen auch mal abseits von den ausgetretenen Wegen des Massentourismus.

Die gr��te Sehensw�rdigkeit, die es gibt, ist die Welt.
Sieh sie dir an !
Kurt Tucholsky

In diesem Sinne.